Ralf Dülsner - "Mein viertes Leben"

Wir sind sehr traurig, mitteilen zu müssen, dass unser langjähriges Mitglied Ralf Dülsner im Dezember 2004 verstarb. Wir werden ihn als einen tapferen und liebenswerten Menschen in Erinnerung behalten. Wir haben uns ihm zu Ehren entschieden, seinen Beitrag in unseren Seiten beizubehalten, da er und sein Leben beispielhaft auch für andere Menschen sein kann.

Der Vorstand des DVS e.V.

 

Mein Name ist Ralf Dülsner. Ich bin 50 Jahre alt und Nierentransplantierter in Dispenssaire -Behandlung bei Frau Dr. Würzberger in Leipzig / Markkleeberg .
Vor einigen Monaten war ich wiedermal zur Kontrolluntersuchung im NTZ-Halle/Saale. Dort begegnete ich Herrn Professor Dr.Heinemann. Es war wie immer eine herzliche Begegnung, denn er war es, der mir vor 13 Jahren meine dritte Niere transplantierte. Er erzählte mir , wie stolz er sei, dass mein drittes Nierentransplantat so lange und so gut funktioniert, es ist wirklich eine Seltenheit.
So ging mir im Wartezimmer mein mit der Dialyse und das schöne von allen Maschinen unabhängige Leben in Gedanken durch den Kopf. Ich hatte von Geburt an eine Hufeisenniere (zusamengewachsen wie ein Hufeisen ), die nicht richtig funktionierte. Als dies in meinen 15.Lebensjahr erkannt wurde, trennte man sie und eine davon war schon so geschädigt, dass sie entfernt werden musste. Sechs Jahre später erklärte man meinen Eltern, das auch die zweite Niere nicht mehr zu retten ist ...

Die Dialyse war in Leipzig erst am Anfang ihrer Entwicklung. Die durchschnittliche Lebenserwartung mit der Dialyse betrug damals 3 bis 4 Jahre !!
An eine Nierentransplantation war nicht zu denken.
Als Vorbereitung wurde mir ein Shunt gelegt.
Doch es kam ganz anders. Meine Niere funktionierte noch weitere 4 Jahre bis ich dann im Dezember 1977 das erste mal an die Dialyse musste.
Es kam eine schlimme Zeit auf mich zu , Pumpenschläuche die öfter platzten und der damit verbunde häufige Blutverlust, aber auch die viel zu dicken Nadeln mit der man drei mal die Woche den Shunt punktierte.
Doch noch während meines Krankenhausaufenthaltes hatte meine Frau das Aufgebot für unsere Hochzeit aufgegeben und im Mai 1978 heirateten wir. Alle Schwestern, Ärzte und Patienten der Dialysestation kamen zum Gratulieren an mein Bett.
Leider verbrachte ich meine "Flitterwochen" auf einer Hepatitisstation im Krankenhaus.
Ein Jahr später, nach mitternächtlicher Stunde, war es soweit. Ein Krankenwagen stand vor unserer Haustür und sollte mich ins NTZ nach Halle/Saale bringen, denn eine neue Niere wartete auf mich !
Hoffnungsvolle aber auch ängstliche Gedanken waren auf der Fahrt meine Begleiter. Doch die OP verlief gut und die Niere "klapperte".
Jetzt ging es bergauf mit mir, der Kreislauf und meine Gesundheit stabilisierten sich und im Januar 1981 kam unsere Tochter Daniela auf die Welt.
Doch leider hielt die Niere nur 3 Jahre.

So vergingen wieder 3 Dialysejahre des Hoffens bis ich das große Glück hatte eine zweite Chance zu erhalten. Doch diese Niere wollte und wollte nicht "anspringen". Ich bekam Medikamente und tagelange Tropfe aber nichts brachte dieses Transplantat zum Arbeiten um entlassen zu werden !
Nach dreimonatigen Krankenhausaufenthalt mit kurzen Unterbrechungen, sagte der Oberarzt im NTZ :"Es gib tein Medikament das heisst Sandimmun. Es ist ein Schweizer Präparat: Dieses gibt es schon in Berlin und es ist sehr teuer .Doch wir hier sind Provinz, wir bekommen sowas nicht!" Doch es wurde trotzdem ein Versuch gestartet. Nach einer Nierenpunktion gab man die vorhandenen Werte nach Berlin. So war ich der erste Patient in Halle, der dieses "Wundermittel " erhielt. Ich war froh, bald als "geheilt" entlassen zu werden.
In den folgenden vier schönen Jahren kam unsere Tochter in die Schule und unser Sohn Christian wurde geboren. Unsere Familie war komplett, bevor ich ein paar Monate später wieder an die, wenn auch modernere Maschine musste.
Eine Welt brach für mich zusammen !!!

Eine Dritte?? Daran glaubte ich nicht! Aber es solte nur 1 1/2 Jahre an der Dialyse vergehen, um meinen verloren gegangenen Glauben zurück zu gewinnen .
So kam am 05.10.1990, es war ein Tag wie jeder andere an der Dialyse, unser damaliger OA. und sagte "Nierenalarm!!!, eine schöne Niere wartet auf Sie" Ich wusste nicht was ich denken und fühlen sollte ! Auch hier wieder diese Freude auf ein schöneres Leben ohne Maschine und Durst. Doch dann kamen auch wieder die negativen Gedanken ! Werde ich alles gut überstehen ?? Die Schmerzen nach der OP, das ungewisse Warten ob das Transplantat auch arbeitet. Und wenn es schief geht? Ich bekam feuchte Augen vor Freude aber auch vor Angst.
Die OP verlief erfolgreich und schon nach 5 Wochen konnte ich das NTZ verlassen.
Heute sind es bereits über 13 Jahre! Christian kam in die Schule, Daniela hatte in dieser Zeit Jugendweihe und heiratete.
Mein größter Wunsch war das Jahr 2000 noch zu erleben, und dies hab ich erreicht.
Aber nicht nur das. Denn ich hab auch vor ein paar Monaten mit meiner Familie meinen 50.Geburtstag gefeiert und unsere Silberhochzeit. Außerdem durfte ich noch das Glück erleben, Opi eines 18 Monate alten Florians zu sein.

Eines sollten wir alle tun, egal ob Dialysepatient oder Transplantierter, sich Ziele zu stecken und nie die Hoffnung dabei aufgeben, diese zu erreichen.

Ralf Dülsner
Oktober 2003

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