Wochenendseminar des DVS e.V. in Burgstädt 2010

An dem wunderschönen Herbstwochenende 9./10. Oktober 2010 fanden sich erfreulich viele Interessenten im Burgstädter Centerhotel „Alte Spinnerei“ ein, um sich zum Thema „Gefäßsystem bei Nierenerkrankungen“ weiterzubilden. Ich habe es nicht bereut, dabei gewesen zu sein, denn diese Veranstaltung war in vielerlei Hinsicht ein Gewinn und organisatorisch rundum gelungen.

Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende des Dialyseverbandes Sachsen e.V. (DVS), Annegret Bresch, eröffnete Dr. Hohenstein aus Dresden die Reihe der hochkarätigen Darbietungen mit seinem Vortrag zu „Aufbau und Funktion des Gefäßsystems“. Beginnend bei Galen und Hippokrates zeigte er sehr anschaulich die Entwicklung unseres Wissens über die Gefäße und den Blutkreislauf von sehr frühen Vorstellungen bis heute. Er demonstrierte an Bildern die Entstehung des Gefäßsystems beim Embryo, Anatomie und Physiologie des Herzens, die Bestandteile des Blutes sowie den Aufbau und die Eigenschaften der Lymphgefäße. Am Ende beantwortete der Referent noch zahlreiche Fragen aus dem Publikum.

Zu „Gefäßveränderungen bei der Dialyse und nach der Transplantation“ referierte dann Frau Pippel, Fachkrankenschwester am Leipziger Herzzentrum. In ihrer bekannten lebendigen und engagierten Art informierte sie sehr eloquent über Cholesterin sowie über Symptome, Folgeer-scheinungen, Diagnostik, Therapie und Vorbeugung der Arteriosklerose. Nach der Mittagspause sprach Professor Lindner aus Leipzig über „Prävention und Risikominimierung für Gefäßveränderungen bei Dialyse und nach Transplantation“. Er ging ausführlich auf die Folgen des gestörten Kalziumstoffwechsels sowie die Überlebenschancen des Transplantats und des Patienten ein und fand damit viel Resonanz bei den Zuhörern. Infolge der zahlreichen Fragen wurde aus dem Vortrag streckenweise mehr ein Dialog.

Nach dem mehrstündigen Sitzen tat die körperliche Bewegung gut, die der Sportwissenschaftler Herr Engelhardt, uns bot. Er zeigte uns sehr nützliche Übungen und lud uns zum Mitmachen ein. Dabei erklärte er überzeugend die vielen Vorzüge regelmäßigen Körpertrainings. Seine lebendige und mitreißend-charmante Animation wirkte ansteckend. Man müßte sich nun nur noch überwinden, jeden Tag ein kleines Übungsprogramm zu absolvieren... Am späten Nachmittag bot Joachim Reiche uns einen sehr unterhaltsamen Lichtbildervortrag über seine Wanderung nach Italien, den Mario Lippold hin und wieder mit witzigen Kommentaren würzte. Die Erzählweise dieses bebilderten Reiseberichts hat mich derart begeistert, daß mir die zwei Stunden, die er dauerte, überhaupt nicht lang erschienen.

Die Überraschung des Abends, der wandlungsfähige Vortragskünstler, der uns schon zur Weihnachtsfeier 2009 Lachtränen in die Augen getrieben hatte, kam nun auch bei den anderen Mitgliedern des DVS sehr gut an. Am Sonntagmorgen sprach Professor Siepmann aus Chemnitz zu uns über „Positive und negative Einflüsse von Medikamenten auf das Gefäßsystem“. Er beschrieb den langen Weg von der Idee zu einem Arzneimittel bis zu seiner Zulassung, erläuterte die Unterschiede zwischen Originalmedikament, Generikum und Biosimilar, erwähnte die Wichtigkeit der genauen Dosierung von sogenannten „Critical-dose“-Arzneimitteln und gab allgemeine Hinweise zur Tabletteneinnahme. Dabei wies er auf die unüberschaubar große Zahl an Interaktionsmöglichkeiten unter verschiedenen Medikamenten sowie zwischen Arznei- und Lebensmitteln hin. Neu war für mich die Empfehlung, Medikamente nicht mit Mineralwasser einzunehmen (wegen der durch Kalzium und Magnesium möglichen Wechselwirkungen), sondern am besten mit Leitungswasser, aber auch Tee, Apfel- und Orangensaft seien erlaubt. Auch Ballaststoffe könnten die Wirkung des Arzneimittels beeinflussen, weshalb man zum Beispiel bei Müsli auf zwei Stunden Abstand zur Medikamenteneinnahme achten sollte.

Den Schluß in der Reihe der Referenten machte der Gefäßchirurg Dr. Koch aus Burgstädt. Er sprach über die Fistel- und Shuntoperation, über die verschiedenen Arten der Gefäßprothetik, über Stenosen, Aneurismen, Verschlüsse und operativen Möglichkeiten der Fistelrevision. Ein besonderes Anliegen war ihm der Hinweis auf die Wichtigkeit des Strickleitersystems bei der Punktion und des „Aufpunktierens“ von eventuell entstandenen Engstellen. Auf die Frage einer Zuhörerin, wie man den Fistelarm schützen könne, erwiderte er, daß der normale Einsatz des Armes bei allen Alltagstätigkeiten sinnvoll sei, nur sehr schnelle und kraftvoll-abrupte Bewegungen wie beispielsweise beim Holzhacken müßten vermieden werden.

Zum Abschluß der Veranstaltung konnte Frau Bresch feststellen, daß die Veranstaltungen von hohem Niveau gewesen und insgesamt erfolgreich verlaufen sei. Dem kann ich mit Dank an die Organisatoren nur zustimmen! Der Service des Hotels war auch diesmal wieder nicht so, wie man es erwarten sollte. Das ist freilich schade, kann die gute Gesamtbilanz dieses Wochenendes aber nicht wesentlich schmälern.

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Eberhard E. Küttner

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